Dienstag, 15. März 2011

Kleine Dinge im weiten Westen

Viel zu lange schon liegt Rockstars Prachtwerk "Red Dead Redemption" in meinem Regal. Nachdem ich mich dazu aufgerafft habe, es ausgiebig zu spielen, hat mich die Begeisterung schon kurze Zeit später mit dem Lasso eingefangen.

Ein paar Missionen hatte ich schon erledigt und dementsprechend wurde ich schon mit den McFarlanes, dem Örtchen Armadillo und dem Treiben in der Prärie des Jahres 1912 vertraut gemacht. Es ist der typische Einstieg in solch ein weitläufiges Abenteuer: überall tun sich Möglichkeiten auf, jedes Detail erhascht meine Aufmerksamkeit und allerlei Schabernack wird betrieben, wie z.B. das Schießen von Karnickeln und Wildvögeln. Das alles hat sehr gefallen, dann kamen gut 3 Monate Spielpause. Wenige Tastendrücke später bin ich nun bereit, weitere Missionen zu wagen und die Geschichte hinter John Marston voranzutreiben. Doch "Red Dead 2" wäre kein Open-World-Game, kein "GTA im Wilden Westen", wenn nicht immer etwas dazwischen kommen würde. Was in Liberty City raufende Passanten und besenkte Autofahrer sind, sind in der Landschaft von "Red Dead" die vielen Kleinigkeiten.
Ich entdecke ein neues Symbol auf der Karte und meine Neugier zwingt mich dazu, den Entdecker raushängen zu lassen. Hinter der kleinen Hütte, die meine erste Unterkunft auf der Ranch darstellt, kann ich Hufeisen werfen. Ich will eigentlich nur mal kurz "gucken" (wie das ja immer der Fall ist) und verdrücke mich so doof, dass ich plötzlich um einen Dollar spiele. Kein Ding? Ich stehe am Anfang, habe nur 16 Mücken in der Tasche und bin gewillt, mich nicht abziehen zu lassen. Gut 20 Minuten dauert die Partie, die mit einem gewaltigen Vorsprung für den Kontrahenten beginnt. Das Hufeisen wendet sich, als ich die Steuerung verinnerlicht hab, doch am Ende stehe ich als Verlierer da, der das Eisen nicht einmal ins Sandbett buxieren konnte. Schlecht für mich und trotzdem kommt in diesem Minispiel mehr Spannung auf, als in ganzen Levels der Konkurrenz. Mal wedelt etwas Sand vorbei, dann ertönt seichte musikalische Untermalung - während im Hintergrund ein Sonnenaufgang die Nacht zum Tag macht.

Kurze Zeit später kennt der Himmel nur noch gussartigen Sturzregen und Blitze, die Herde ist kurz davor, in alle Windesrichtungen zu eilen, also sattele ich auf und unterstütze die McFarlanes beim Viehtreiben. Als ich alle im Sicheren sehe, fängt ein Baum nach einem Blitzeinschlag Feuer, die Kuhherde flieht, rennt auf eine Klippe zu. Ich gebe dem Pferd die Sporen und bin zutiefst betroffen, als doch 5 Kühe die Klippe hinuntersegeln. Den Rest geleite ich sicher zurück in die gezäunte Sicherheit.
Als ich also vom Ritt zurückkehre, peitsche ich mit solch einer Geschwindigkeit auf die Ranch, dass ich einen ausgewachsenen Hund überfahre, pardon, überreite. Das war schon ein bisschen "wow". Losgelassen hat mich die Situation nicht, der Hund tat mir schon Leid. Ihm blieb nichts übrig, außer mein Vorrat an Tierhaut und Fleisch zu werden. Ich bedauere seinen Tod so sehr, weil ich selbst einen ähnlichen Verlust in den ersten Momenten des Spiels erlebt habe. Nach einer Mission wandte ich mich vom ebenen Weg der Wildnis ab, ritt querfeldein und bemerkte nicht, wie ich plötzlich eine Klippe hinunterstürzte. Ich überlebe, immerhin regeneriert sich meine Gesundheit, doch mein Gaul hat es nicht geschafft. "Lucky", wie ich den weißen Schimmel gerade getauft hatte, verendet zwischen den rotbraunen Klippen und auch ihm bleibt am Ende nur das gleiche Schicksal wie dem Hund. Das war echte Trauer, denn das war mein Pferd, von Anfang an, ich habe es zugeritten und trainiert, sein Ausdauerbalken war schon weit fortgeschritten, ebenso wie mein Vertrauen in diesen treuen Begleiter. In "GTA" sind Fahrzeuge beliebig und ersetzbar, nicht so in "Red Dead Redemption", wo der Gaul auf Reisen meine einzige verlässliche Begleitung ist. Die GEE hat das in ihrem Bericht so unfassbar gut getroffen: "Ein einzelnes Pferd ist mehr Wert als schicken Autos von Liberty City." Wie wahr.

Kurze Zeit später habe ich ein neues Pferd. Nicht Lucky, aber auch eines, dass mir treu sein wird. Ich kehre gerade nach Armadillo zurück, nachdem ich mit dem Sheriff einen stadtbekannten Gauner und seine Halunken aus dem Weg geräumt habe. Freilich gebührt mir Ehre und Gold für diese Tat. Ein kurzes Schländern durch die Ortschaft, dann fallen mir ein paar Männer auf, die 5-Finger-Fillet spielen, sozusagen russisches Roulette mit der Hand. Mit einem Messer sticht man schnellstmöglich zwischen den Fingern umher, um die Zeit des Gegenüber zu unterbieten. Hier bin ich mutiger, werfe sogleich freiwillig den ersten Groschen in die Runde. Und steche mir ins eigene Fleisch. Die grafische Darstellung trägt seinen Teil dazu bei, dass ich mich sehr ärgere. Doch mir stehen noch Versuche offen und tatsächlich ziehe ich den ersten Kontrahenten ab, auch den zweiten. Der dritte übertrumpft mein Können. Das Geld habe ich ohnehin nicht mehr nötig, die Bösen führen viel zu viel davon in ihren Hosentaschen herum.

Eigentlich will ich gerade aufsatteln, als mir ein Fahndungsplakat ins Auge fällt. 20 Mäuse für einen Lebenden, 10 Dollar für den bloßen Körper. Der Wille ist da, jetzt eine große Tat zu vollbringen, ich mache mich auf den Weg und finde den Schuft alsbald in einer heruntergekommenen Bude. Seine Gehilfen schlucken Blei, er kann fliehen und rennt den Railway entlang. Lucky 2 und ich hinterher, bis ich in Reichweite das Lasso anwähle und gekonnt vom Pferd aus aushole. Treffer und versenkt, wie ein geschnürtes Päckchen wird der Mann aufgeladen. Mittlerweile macht sich Dunkel breit und auf dem Rückweg in die Stadt greifen mich stetig neue Handlanger an. Einer nach dem anderen wird spektakulär aus dem Sattel geschossen. Back in town bin ich ein für damalige Verhältnisse reicher Mann, mit mehr als 150 Dollars in der Tasche. Nur eine Nebenmission und trotzdem unterhält sie wie ein Endgegner.

Überhaupt tritt ständig dieses Gefühl ein, vor dem nächsten Abspeichern nur noch eine Sache erledigen zu müssen. Einmal höre ich mitten in der Steppe Schüsse und Schreie und mache kurze Zeit später einen geplünderten Reisenden aus, schalte die Schurken aus und lasse ihn weiterziehen. Ein andermal bittet mich ein Fremder um Hilfe, man wolle seinen Freund aufknöpfen, er sei unschuldig. Der Ritt zum Ort des Geschehens ist ein kurzer, doch im Trubel verfehlen meine Schüsse ihr Ziel. Statt den Baumelnden zu befreien, erschieße ich ihn gleich mit. Seit Freund trauert auf den Knien. Er tut mir so Leid, dass ich ihn auch erschieße und schnell weiterziehe. Kaum zurück in der Stadt, kommt eine Frau auf mich zu, ich solle ihren Sohn finden. Kein Problem, M'ame, aber erst muss ich speichern und die Konsole runterfahren.

Das war vielleicht eine Stunde Spielzeit und sie hat mich so unterhalten, wie es nicht viele Spiele schaffen. Die eigentliche Geschichte hat pausiert, während ich meine eigene Story geschrieben habe. Die vom hilfsbereiten Helden, der meine, also auch seine, moralischen Grundzüge verfolgt. Wo "Far Cry 2" schon nach 10 Minuten nur noch nervt und frustriert, gelingt es Rockstar Games, durch die kleinen Feinheiten und Detailverliebtheit mich an das Spiel und seine Charaktere zu binden. So fest, dass ich mich ganz klar als Charakter in einer lebendigen Welt fühle. Das ist die typische Handschrift. Getragen wird alles von einer malerischen Optik und traumhaften Western-Musik. Ich kann es kaum abwarten, mich durch neue Erlebnisse weiter herumführen zu lassen.

Dienstag, 1. März 2011

The Expendables

Dieser Film ist reine Männersache.

Einleitung. An dieser Stelle muss ich mir einfach mal die Gelegenheit nehmen, um den für mich besten und brachialsten Actionfilm des Jahres 2010 abzufeiern. "The Expendables" ist ein Männerfilm von Männern, für Männer, geliebt von Männern und allen, die sich selbst als Mann sehen. Dieser Film ist Sylvester Stallones Rundum-Versuch (Hauptrolle, Regie, Drehbuch, Produzent), sich vor dem Actionkino der 80er Jahre zu verbeugen, als Knarren einfach geschossen haben, die männlichen Hauptdarsteller einfach Muskelberge waren, einfach lässige Sprüche vom Stapel gelassen haben und einfach böse Jungs über den Haufen geschossen haben. Überhaupt ist "The Expendables" einfach gestrickt und so weit von Komplexität und irren Wendungen entfernt wie "Inception" von der Simplizität einer Gute-Nacht-Geschichte. Das soll nicht heißen, dass nur minderbemittelte Machos Spaß an dieser Orgie finden (tun sie zwar...), aber wer sich diesen Film anguckt, sollte wissen, auf welche Art von Spaß er sich einlässt: Action von der alten Schule mit Typen von der alten Schule in den Hauptrollen. "The Expendables" bietet krachend inszenierte Action mit markigen Sprüchen, vielen Schauwerten, einprägsamen Szenen und reichlich Awesomeness. Anspruch darf einfach nicht erwartet werden, wenn die härtesten Säue des Action-Fachs auf Streifzug gehen. Dass Frauen im Normalfall bei diesem Film nicht so recht auf ihre Kosten kommen, sollte man nach diesen paar Zeilen bereits erahnen und tatsächlich ist eine Frauenquote hier theoretisch sogar eher angebracht als in den Vorständen der DAX-Unternehmen. Doch wer denkt, dass die Helden im Film selbst ein Mädel nach dem anderen vernaschen und nebenbei Ballern, der ist falsch gewickelt - Frauen müssen größtenteils draußen bleiben. Für Liebe und Gefühle ist in diesem Film nicht viel Platz, gerade einmal 2 Frauen haben eine Rolle ergattert. Sehr bedeutend sind diese beiden Rollen auch nicht, sie bleiben optisches Beiwerk und moralischer Motivator, die den Beschützerinstinkt der harten Jungs wecken. Man könnte meinen, die Drehbuchschreiber haben gemäß den Mottos "Sex lenkt bloß ab" und "lieber ein Bruder als ein Luder" gearbeitet.

Story. Barney Ross (Sylvester "Rambo" Stallone) ist Kopf der Söldnertruppe "Expendables" die gegen einen Haufen Bares allerlei schmutzige Schießerei-Jobs übernimmt, wie beispielsweise das Kielholen somalischer Piraten. Auch Teil der Crew sind Messerfetischist Lee Christmas (Jason Statham, "Crank"), Nahkampfexperte Yin Yang (Jet Li, "Hero"), Großkaliber-Verehrer Hale Ceasar (Terry Crews, "Alle hassen Chris"), Hüne Toll Road (Randy Couture, MMA-Kämpfer) und Scharfschütze Gunner Jensen (Dolph Lundgren, "Rocky IV") - was für ein Haufen Asskicker. Die neueste Mission lautet, einen Diktator in Südamerika zu stürzen, der von einem Ex-CIA als Marionette benutzt wird, um den gewinnbringenden Plantagenanbau von Drogen im ganzen südamerikanischen Staat hochzuziehen. Zu allem Übel gibt es auch noch einen Überläufer unter den Expendables, der die Feinde mit Informationen bespeist und das Leben der Truppe aufs Spiel setzt.
Schon die Einstiegsszene ist ein kleines Spektakel, wenn die Expendables den somalischen Piraten zeigen, dass man im Söldner-Gewerbe keine Gefangenen macht. Bis zum großen Showdown zeigen viele kleinere Szenen, welch Charakter sich hinter den Gesichtern verbirgt. Dabei bekommen zwar alle ihren harten und auch unterhaltsamen Auftritt, manches Gesicht hätte man trotzdem gern noch öfter gesehen. Blutig geht es dabei gut und gerne zu. "John Rambo" bleibt in seiner Härte unerreicht, aber wenn niemand muss Angst davor haben, dieser Film könnte verweichlichen - nicht umsonst sind riesige Messer und Wummen im Einsatz... Wie bereits erwähnt, ist die Geschichte eher simpel gestrickt, nur um auf die abschließenden Höhepunkt zuzulaufen. In den gut 100 Minuten gibt es jedoch reichlich Szenen, die den Film einprägsam machen - hauptsächlich sind die Söldner dabei motorisiert unterwegs. Filmstarts hat das in seiner Rezension sehr treffend formuliert: "So sind Barney Ross und Co. selbstredend unbeschreiblich cool (und überall tätowiert), sie bewegen sich scheinbar nur per Motorrad oder Flugzeug fort, denn alles andere wäre uncool." Manch einem mag in diesem ganzen Getose die Ironie fehlen, immerhin sind hier reichlich Frührentner am Werk, doch Stallone stellt seine Kerle als harte Hunde dar, als Männer, die man ehrfürchtig erblickt und die trotz Action am gesamten Arbeitstag Zeit für lockere, kumpelhafte Sprüche haben. "The Expendables" bleibt klassische Action von damals und zieht vielleicht gerade aus der übertriebenen Heldenhaftigkeit seinen Witz, ohne wie "Shoot 'Em Up" bewusst zum Lachen zu animieren.

Personal. Die oben aufgezählte Darstellerriege ist bereits nicht von schlechten Eltern, doch selbstverständlich gibt der Film noch mehr her. Mit von der Partie sind Ex-Wrestling-Star Steve "Stone Cold" Austin, der den Helfershelfer der Bösen mimt; Eric Roberts als Ex-CIA-Schurke und Mickey Rourke ("The Wrestler"), der als Tattookünstler, Verwalter und stillgelegter Kollege der Expendables agiert. Selbstredend darf nicht außen vor gelassen werden, dass Arnold Schwarzenegger und Bruce Willis eine kleine Rolle im Film übernehmen. In einer eigentlich belanglosen Szene treffen Arnie als Konkurrent der Söldner-Branche, Bruce als Auftraggeber Mr. Church und Stallone aufeinander. Für die Story ist das nicht relevant, aber dieses Aufeinandertreffen ist ein Fest für Filmversierte, wird doch nur so mit Seitenhieben und Verweisen um sich geworfen. Ursprünglich waren auch Brittany Murphy ("Sin City"), Forest Whitaker ("Der letzte König von Schottland") und dann 50 Cent als dessen Ersatz für eine Rolle eingeplant, alle verließen das Projekt jedoch wieder vor Drehstart. Auch Jean-Claude van Damme sollte zum Cast stoßen, doch dazu später mehr...

Wissenswertes. Okay, ich offenbare nun, weshalb van Damme keinen Auftritt im Film hat. Er sollte ursprünglich die Rolle von Dolph Lundgren einnehmen, war aber nicht damit einverstanden, in einer Szene des Films gegen Jet Li zu verlieren - das war mit seiner Ehre und mit seinem Ego einfach nicht vereinbar. Offiziell bestätigt hat das der belgische Kampfsportveteran freilich nicht. Außerdem hat sich Stallone beim Dreh den Knöchel gebrochen. In einer Szene im Film lässt sich das sogar erkennen, wenn Sylvester einen Steg entlanghurtet. Als ob das nicht genug wäre, hat er sich zusätzlich in einer Kampfszene einen Haarriss im Genick zugezogen, woraufhin eine Metallplatte eingesetzt werden musste.

Versionen. Das Wichtigste vorweg: Der Film lief ungeschnitten im Kino und hat auch auf DVD die Freigabe ab 18 in der ungeschnittenen Fassung erhalten. Allerdings sollte man gar nicht erst auf die Idee kommen, den Film in der kastrierten 16er Fassung zu kaufen. Das widerspricht jeglicher Logik, einen krachenden Actioner gekürzt anzuschauen. Wer guckt sowas schon? Nur Leute, die auch die Szene überspringen, in der Bambis Mutter stirbt. Überhaupt kann man den Film in allen möglichen Ausführungen kaufen: als normale Version, im Steelbook und als "Hero Pack" (jeweils auf Blu-ray und DVD) inkl. Steelbook, Tattoo, Filmplakat, Postkarten und - es kommt gleich - einer Expendables-Gürtelschnalle aus Stahl. Legendär! Auf der nächsten Mottoparty kreuzt man also als Söldner auf. Den Ledergürtel selbst muss man natürlich selbst beschaffen. Es gibt eine weitere positive Botschaft: Stallone bastelt seit einigen Monaten an einem Director's Cut des Films, der den Action-Streifen um 15 Minuten verlängert. Wann der erscheint? Ist noch unbekannt.

Fortsetzung. Ohja, es kommt ein zweiter Teil. Das Drehbuch hat Stallone schon in Angriff genommen, als der Film noch nicht einmal gestartet war. Viel Zeit bleibt dem Mann auch nicht, in diesem Jahr naht der 64. Geburtstag. Dass ein zweiter Teil kommt, ist bei einem weltweiten Einspielergebnisses von fast 267 Mio. $ (ohne DVD-Auswertung!) kein Wunder. Mittlerweile dreht sich das Personalkarussell auch schon fleißig, dabei fallen mögliche Darstellernamen wie Charlie Sheen, Kurt Russell, Chuck Norris, Mike Tyson und Steven Seagal. Egal, ob nun alle ihren Auftritt im zweiten Teil bekommen, ich bin mir ganz sicher, dass etwas Großes dabei herauskommt - schließlich gilt es, den ersten Teil zu toppen. Besonders gut stehen die Chancen für ein Comeback von Arnie und Bruce. Seit Herr Schwarzenegger nicht mehr Gouvernator ist, hat er angekündigt, wieder ins Filmgeschäft zurückzukehren. Warum sollte er also nicht einen größeren Part in "The Expendables 2" übernehmen? (Oh man, ich zitter schon vor Aufregung.) Des Weiteren hat Stallone bereits verkündigt, er wolle unbedingt Bruce Willis für den Nachfolger gewinnen, bevorzugt als Hauptschurke, auf den die Expendables Jagd machen. (Oh man, oh man, oh man!) Drehstart soll(!) im Herbst 2011 sein, zu einer möglichen Handlung ist noch nichts bekannt. Aber es lässt sich festhalten: das wird eine Gaudi.

FAZIT. "The Expendables" ist genau das geworden, was ich mir so sehnlichst von dem Film erträumt habe: ein reißendes Action-Biest, gefüttert mit Rock, Krawall, schnittigen Kampfszenen und coolen Darstellern, die bei diesem Spektakel sichtliche Freude haben. Ich war nach dem Kino-Besuch regelrecht überwältigt und bin sogar noch ein zweites Mal ins Kino gegangen. Sowas ist einmalig. Meine Begeisterung schlug kurz vor Filmstart so hohe Wellen, dass ich sogar einen Albtraum hatte, dass der Film richtig mies sei - die Definition von Vorfreude. Eine objektive Kritik ist das natürlich nicht, aber die war von mir auch gar nicht beabsichtigt. Der Film bietet 1A-Action, handgemacht mit Leidenschaft. Wer Anspruchsvolle, vielschichtige Charaktere will und auf Realismus pocht, soll sich in seine Tee-Bar verkrümeln und stattdessen nicht diesen Film madig reden. "The Expendables" rockt und geht mächtig steil.

Der Titelsong: "Shinedown - Diamond Eyes"



Der Trailer in der Original-Version:

Mittwoch, 26. Januar 2011

DSDS-Fachkräfte-Mangel

Man dachte vielleicht, in diesem Zusammenhang ist Deutschland das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber so langsam haben sich scheinbar alle Idioten, Deppen, Nieten, Honks und mieserablen Sänger die Klinke in die Hand gegeben.


Was war das für eine Revolution, als diese Casting-Shows damals im TV erstmals ausgestrahlt wurden. Da erblickten Talente das Licht der Welt, die anfangs sogar irgendwie Fuß fassen konnten in der harten Welt des Musik-Biz, dann aber doch von der Last der zweitklassigen und alljährlichen internen Konkurrenz vom Markt geschoben wurden. Wer kann schon noch alle Gewinner von DSDS aufzählen bzw. wie hießen die ganzen quietschigen Mädels-Kitsch-Combos nochmal? Geblieben ist jedenfalls nicht viel von deren Glanz, nur manche konnten sich auf irgendeine Weise im Show-Geschäft festigen und müssen nicht versuchen, als Otto-Halbnormal-Bürger über die Runden zu kommen.
Viel besser als das One-Hit-Wonder am Ende war aber sowieso seit Anbeginn der Casting-Zeitrechnung die Bloßstellung von fehlendem Talent, fehlendem Selbstwertgefühl und fehlender Scham. Was haben wir gelacht! Okay, mittlerweile sind der Checkar von sonst wo und Menderez nur noch Running Gags, aber es gibt noch ein paar dieser bemitleidenswerten Kreaturen, die sich "mit ohne alles" vor die Kamera stellen. Schiefsinger, überschätzte Egos, Kostümfanatiker. Noch besser als die bloße Präsenz, die schon für ein Lachen sorgt, ist Dieters vernichtende Kritik, wenn er seinen Sprüchehammer auspackt, in den die Wörter "Verachtung, Zynismus und Ehrlichkeit" eingraviert sind. Wem er damit auf den Schädel haut, dem schwinden alle Schnapsideen von der 89° steilen Karriere davon. Das einzig blöde ist, dass Dieter sich mittlerweile so zurückreißen muss, nachdem man ihn in mehreren Zivilklagen als Unmenschtier dargestellt hat. Seelische Körperverletzung war wohl der passende Ausdruck. Was erwarten die Kandidaten auch, wenn man so viel kann wie ein Sandkorn in der Wüste und dann nach dem gelben Wisch bettelt? Das ist so als würde sich jemand vor den Türsteher eines angesagten Clubs stellen und seine Mudder beleidigen. Nur manchmal tun einem manche Kandidaten etwas Leid, nämlich die, die schon auf den ersten Blick geistig nicht vollständig entwickelt sind, von irgendjemandem Dahergelaufenen zum Auftritt überzeugt wurden und dann doch ihr "Bestes" geben. Aber in den Fällen nimmt auch Dieter sich mal zurück. Gut so, sonst könnte man das nicht gutheißen.

Theoretisch reicht dieses Konzept der komödiantischen, nicht immer über der Gürtellinie liegenden Bloßstellung aus, um deluxe zu amüsieren, doch: Irgendwann ist jeder Depp mal vorgeführt und jede Trulla davon überzeugt worden, dass sie nicht Celine Dion singen kann und auch nicht einmal in ihrem zweiten Leben singen können wird. Das passiert gerade in der jetzigen Staffel. Pro Castingfolge sind es gerade mal 5 oder 6 Leutchens, die präsentiert werden. Dabei sind dann ein oder zwei Gescheite, größtenteils minderjährig, dem Rest piepts hinter der Stirn. Diese paar Kandidaten werden dann in einem Übermaß präsentiert, dass regelrechte Langeweile aufkommt. Zu langes hin und her, dann wieder der nervige Froschschenkelklopfer, der durch billige Animationen alles in die Länge zieht... es lahmt. Man merkt einfach, es sind scheinbar nicht mehr viele Untalentierte übrig geblieben. Die Dummen haben es kapiert, die flackernden Kerzen in deren Köpfen sind endgültig erloschen. Und dieser Mangel muss nun irgendwie ausgeglichen werden.
Lustiges Detail am Rande: Der Autor dieser Zeilen hatte selbst einmal den Bewerbungsbogen für besagte Show in der Hand. Im Kleingedruckten steht, dass man sich einverständlich erklärt, mit dem Gefilmten Schabernack anstellen zu lassen. Wenn es lustig werden soll, werden Szenen einfach willkürlich aneinander geschnitten, bis die Halbdoofen völlig doof da stehen. Gutes Beispiel ist der neue Knastjunge alias Menowin 2, mit der bisher atemberaubendsten Stimme (ohne Witz): in der Preview heißt es noch, er habe Leute für Geld überfallen und er sei der Beste darin gewesen. Ohohoh, böser Junge! Berichtigt ist es aber so, dass "der Beste sein" auf seine Gesangskünste bezogen war.
Jap jap, dem Casting-Format geht die Luft aus. Zum Glück hat man mit "Das Supertalent" eine gute Alternative im Programm, bei der sich notfalls auch die gleichen Leute auf andere Weise blamieren können. Was DSDS interessant gemacht hat, war eh noch nie, welche 0815 am Ende auf dem Sieger-Podest stand. Wichtig ist nur, wer es nicht mal ansatzweise nach oben geschafft hat.

Dienstag, 18. Januar 2011

Trailerschau #3

Heute mal mit etwas mehr Drama, Baby.


Love
Ich weiß nicht, was am Ende bei diesem Film herauskommt, aber ich muss das Ergebnis einfach sehen. Dieser Tanz von Farben und Bildern wirkt virtuos und aufregend. Hier die grobe Handlung: ein Astronaut kämpft auf einer Raumstation um sein Leben, als die lebenserhaltenden Mechanismen versagen. Und dann: wow. Joa, dann nur noch wow. Wow.
Start: Irgendwann 2011 in Deutschland?

Biutiful
Ich habe "Amores perros" und "Babel" nicht gesehen, dafür jedoch "21 Gramm" mit Sean Penn, Antonio Banderas und Naomi Watts. Und wer behauptet, es geht in Twilight um die großen Gefühle, der wird nach diesem Film eines besseren belehrt. Bekannt ist der spanische Regisseur für tränenreiche und bittere Dramen, die unter die Haut gehen. Ich bin mir stark sicher, dass sein neuer Film auch in diese Kategorie fallen wird. Javier Bardem (der Psychopath mit dem Bolzenschussgerät aus "No Country For Old Men") spielt einen Mann, der auf der Flucht vor seinem eigenen Leben ist. Tragisch und toll.
Start: 10.03.2011

Winter's Bone
Zu wenig Leute haben wahrscheinlich den Antikriegsfilm und 6fachen Oscar-Gewinner "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" gesehen. Wer ihn kennt, ist mit Sicherheit auch am neuen Drama der Regisseurin Bigelow interessiert: ein Mädchen aus einer US-Kleinstadt-Vorstadt sucht nach ihrem Vater, als das Haus auf der eher schlechter gestellten Familie auf dem Spiel steht. Was hat ihr Daddy wohl verbockt? Wird mindestens Goldjungen absahnen.
Start: 31.03.2011

The Way Back
Ein Wort beschreibt diese Bildgewalt ganz gut: monumental. Sechs Gulag-Häftlinge fliehen aus dem Straflager und erleben eine Odyssee über einen gesamten Kontinent, der vielseitiger und herausfordernder nicht sein könnte. Mal sehen, wie gut der Film am Ende wirklich ist. Wer auf Abenteuer steht, sollte hier doppelt hinschauen.
Start: 2011

Hereafter - Das Leben danach
Neues Jahr, neuer Film von Clint Eastwood. Das soll nicht negativ klingen, denn die letzten Werke des Altmeisters konnten ihr hohes Niveau halten. Bleibt die Frage, wie ein Regisseur, der sonst für das Dramatische bekannt ist, mit dem Übersinnlichen umgehen kann. Matt Damon spielt den Mann mit der engen Freundschaft zum Leben danach. Wie beeinflusst das die Schicksale seiner Mitmenschen?
Start: 27.01.2011

Brothers
Endlich, endlich - lange nach dem Kinostart in den Staaten startet dieses starke und prominent besetzte Drama auch bei uns. Als ein Familienvater (Tobey Maguire) im Irakkrieg scheinbar fällt, bricht für seine Familie eine Welt zusammen. Um den Hinterbliebenen Beistand zu leisten, kümmert sich der Bruder des Mannes (Jake Gyllenhall) um den Haushalt, die Kinder und um seine Schwägerin (Natalie Portmann). Aus so viel Zuneigung entsteht allmählich eine neue Beziehung, die plötzlich erschüttert wird, als der Totgeglaubte traumatisiert und verstört aus dem Irak zurückkehrt. Als er erfährt, was zuhause passiert ist, bricht er aus sich heraus. Schon der Trailer vermittelt pure Gänsehaut und reichlich Gefühle. Die Presse fand bereits viele lobende Worte.
Start: 27.01.2011

Tree Of Life
Brad Pitt und Sean Penn sind in den Hauptrollen dieses Dramas zu bewundern. Der junge Jack wächst in den USA der 60er auf und sieht sich im Zwiespalt: während seine Mutter ihn mit Blick auf wohlgemeinte Ideale und einen hingebungsvollen Umgang erzieht, will der Vater (Brad Pitt) ihn eher stärken, damit er bereit für das "harte Leben" ist. Jack ist fortan verloren in sich selbst und versucht nun in der Gegenwart (jetzt von Sean Penn gespielt) seinen wahren Weg zu finden. Vielversprechende Schauspieler und große cineastische Bilder heben diesen Film hervor. Ich bin gespannt, wie viel Magie in diesem Werk schlussendlich stecken wird. Der Trailer dieser Familien- und Selbstfindungsgeschichte enthält bereits reichlich Wunderbares. Wird bestimmt wunderbar.
Start: 23.06.2011

Restless
Eine (keine übermäßig schnulzige) Liebesgeschichte über einen Jungen, der sich heimlich auf Beerdigungen schleicht und dort ein Mädchen kennenlernt. Doch so lupenrein ist die Geschichte nicht: sie hat eine Krankheit und er hat einen imaginären Freund - Hiroshi, ein japanischer Pilot aus dem zweiten Weltkrieg. Klingt nach einer süßen und sympathischen Romanze, die genauso herzlich wie "(500) Days Of Summer" werden könnte. Mal sehen.
Start: 2011

The Fighter
Ding-dong und die Oscar-Konkurrenz geht auf die Bretter. Hier ein weiterer ganz heißer Anwärter um die Goldjungen der Verleihung 2011. Ein kleiner, eigentlich recht unbedeutender Boxer namens Mickey (Mark Wahlberg) ist durchaus ein talentierter Boxer, doch im entscheidenden Kampf bekommt er mächtig auf die Fresse. Seine Karriere scheint dahin, seine familäre Situation ist nicht die beste und auch mit seinem Bruder und Coach Dick (Christian Bale) kriselt es. Als ihm die Chance für ein Comeback geboten wird, sagt er zu und tut alles für seinen Sieg. Von wegen "typische-von-unten-nach-oben-Story", das wird ein richtig gutes Sportler-Drama mit einer packenden Geschichte über einen Athleten und seine Familie. Mag schon oft so oder so ähnlich da gewesen sein, aber wird mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem sehr sehenswert.
Start: 07.04.2011

So, jetzt bitte die Tränen aus den Augen wischen! Es geht "normal" weiter.

Ohne Limit - Limitless
Ja, klingt so ähnlich wie "Restless", aber hat mit dem Film nur diese eine Silbe gemeinsam. Seit "Hangover" ist Bradley Cooper der wohl gefragteste Beau in Hollywood. In diesem Film spielt er den Main-Part an der Seite von Robert De Niro. Als Autor landet er in einer Schaffenskrise, die er zu überwinden scheint, als er eine neue Wunderdroge entdeckt, die die zigfache Wirkung eines Kokain-RedBull-DextroEnergy-Cocktails hat und ihn die vollen hundert Prozent seines Gehirns ausloten lässt. Fortan ist sein Verstand dermaßen präzise, dass ihm alles in den Schoß fällt: die steil nach oben verlaufende Karriere, Geld und natürlich auch das besondere Mädchen... Gefährlich wird es, als er plötzlich sein Gedächtnis verliert und ihm die ersten Leute (wie De Niro) auf die Schliche kommen. Ich weiß nicht, was ich von diesem Trailer halten soll: Wird's anspruchsvoll? Wird's spannend? Oder am Ende doch nur Popcornkino zwischen dem berüchtigten Halben und dem Ganzen?
Start: 07.04.2011

Werner Eiskalt!
Jungs, Männer und Kerle, sperrt die Lauscher auf! Der Kultlehrling mit langer Dödelnase und den eisblockgroßen Vorderzähnen bekommt einen neuen Leinwandauftritt! Eigentlich war der Film schon für den Sommer 2010 vorgesehen, aber wer weiß, warum man den Start verschoben hat. Jedenfalls sind natürlich auch Andy, Eckhardt, Meister Röhrich, die Rockers, Günzelsen, Hübenbecker, die Deppen vom Dienst und und und dabei. Davon geh ich zumindest aus... Werner ist einfach Kult, aus diesem Grund kann man sich die alten Filme mit seinen Bros immer wieder anschauen - am besten noch mit ein paar Bier (immerhin ist der "Ballermann 6"-Regisseur am Werk). Dann wird wieder zitiert, nachgeahmt und gelacht bis Borstis Schwarte kracht. Geplant ist ein Mix aus Comic und Rl wie in Teil 1. Herrlich. Alle Fans (und wahrscheinlich auch nur die) freuen sich also auf den Sommer, denn dann wird's wieder Werner!
Start: Sommer 2011

The Mechanic
Darf natürlich bei keiner Trailerschau fehlen: die Action-Sparte. Wieder ein neuer Jason Statham, diesmal ein Rachethriller um einen Auftragsmörder, der wahrlich ein Könner seines abtrünnigen Fachs ist. Der Plot ist schnell erzählt: Jener Typ (Statham) macht mit seinem Gehilfen, dem Mechaniker, Jagd auf einen Anzugträger, mit dem er ursprünglich mal zusammengearbeitet hat, der ihn aber dann verarscht hat. Joa. Leider sieht das Ganze "nur" solide aus. Die Action mag stimmen, aber ich vermute, dass es keine überraschenden Story-Wendungen geben wird. Trotzdem wird's hoffentlich doch genügen, um einen netten Abend im Kino zu bereiten. Hoffentlich. Ist übrigens das Remake eines 72er Films mit Charles Bronson: "Kalter Hauch".
Start: 07.04.2011

Cowboys & Aliens
Woohoo, was für eine WTF-Kombination. Der Regisseur von "Iron Man" packt Daniel Craig und Harrison Ford in ein Kinospektakel, das auf einem Comic basiert. Und Steven Spielberg produziert den Streifen auch noch. So doof der Titel klingt, der Trailer macht wirklich Lust auf mehr und deutet einen wirklich sehenswerten Blockbuster mit reichlich Pfiff an. Worum es geht? Na um Cowboys und um Aliens. Die Frage erübrigt sich von selbst... Yeehah!
Start: 15.09.2011

Paul - Ein Alien auf der Flucht
Wer "Hot Fuzz" und "Shaun of the Dead" gesehen hat, wird gleich wissen, wer Nick Frost und Simon Pegg sind. Und diejenigen werden sich auch freuen, dass die Beiden zum dritten Mal für eine gemeinsame Komödie vor der Kamera gestanden haben. Zwei absolute SciFi-Nerds, gabeln auf der Straße ein Alien auf, als sie unterwegs zur Area 51 sind. Böse ist das Alien zum Glück nicht, dafür reißt es versaute Sprüche, hat Bock Bier und ist auch sonst für jeden Scheiß zu haben. Nur das FBI hat keinen Bock, mit Paul einen draufzumachen... Ob das der Kult-Hattrick für die beiden britischen Schauspieler wird oder doch nur was Nettes?
Start: 14.04.2011

Sonntag, 16. Januar 2011

Ein Leben auf dem Standstreifen

Manchmal habe ich das Gefühl, das Leben, die Technologie und überhaupt alle rasen mit einem Lambo über die Überholspur, während ich mit einem 25km/h-Fiat über den Seitenstreifen krieche.


Mein allererster richtiger Blog-Eintrag drehte sich anno 2009 darum, dass ich gerade mein neues Handy kennengelernt hatte, das Nokia 6210 Navigator. Es ist ein nobler Slider, blaue Tastenbeleuchtung, macht gute Fotos, lässt sich Prima bedienen und ist dann auch noch ein Nokia - besser konnte die Wahl für mich nicht fallen. Doch jetzt sind es nur noch wenige Monate, bis die 2 Jahre wieder abgelaufen sind und ich mich trennen muss. Auch wenn schon der Teil einer Taste abgesplittert ist, das Display wie Toni das Narbengesicht ausschaut, die Oberfläche nach reichlicher Nutzung aussieht wie das unebene Gesicht eines Teenagers und selbst andere Dinge allmählich von Macken geplagt sind, will ich das gute Ding einfach nicht hergeben. Aus gutem Grund: time has changed.
Der Markt für Handys ist ein vollkommen anderer als der damalige. Heute will niemand mehr Tasten benutzen, alle fummeln, swutschen und wischen mit ihren Fingern und mit Essstäbchen über ihre Displays. Jeder Benutzer schaut im hauseigenen Store, was so APPgeht. Alle finden das iPhone geil, aber keiner kann es begründen. Und noch dazu werden die Handys irgendwie wieder größer. Die neue Marktmacht haben die Smartphones, die wunderbaren Alleskönner, die so viel sinnlose Sachen können und wissen, die früher niemand (haha, wie altmodisch ich kling!) außer den vielbeschäftigten Business-Managern gebraucht hat. Und das schlimme ist: man kommt einfach nicht drumherum.

Das wurde mir leidlich klar, als ich im Handy-Shop (so ähnlich wie "Vaderfone") die aufgereihten Geräte inspiziert habe. Erstens, Nokia hat irgendwie den Anschluss verpasst. Da lagen vielleicht 2 aktuelle Geräte meines finnischen Lieblings-Hersteller. 2 ernstzunehmende jedenfalls. Etwas weiter fanden sich viele Rentner-Telefone mit entschlackten Funktionen und fliesengroßen Tasten - die entfallen dann natürlich. Überall Samsungs und Motoroller, die um meine Aufmerksamkeit buhlen. Zweitens, werde ich höchstwahrscheinlich nicht um einen Touchscreen herumkommen, denn lediglich das Nokia N97 Mini hat mich als Smartphone-Slider mit seinen vertuschten Tasten noch angemacht.
Aber dabei will ich so ein modernes Handy doch eigentlich gar nicht! Wenn einem vom Verkäufer erklärt wird, dass man für die meisten Handys auch noch die Internetflat nehmen muss, dann werde ich als Kunde doch fast schon genötigt, ständig nach sinnlosem Zeug im studi, auf facebook und bei google zu gucken. Dann ist's um mich geschehen. In der Beziehung bin ich nämlich noch so richtig von der alten Schule. Ich will ein Handy mit großem Display, hochqualitativer Kamera, viel Speicherplatz, leichter Bedienung, edlem Design und möglichst mit Tasten, die einen guten Druckpunkt bieten. Hält denn so ein Teil, das eigentlich nur aus Display besteht, überhaupt einen Sturz (wo ich doch so ungeschickt bin) aus?! Was wird mir schlussendlich schon an Alternativen übrig bleiben... Dann muss ich mich eben anpassen, nehme ein topmodernes Gerät und werde versuchen, viele neuartige Sachen einfach zu ignorieren, um mich auf ein prima neues Handy und kommende 2 Jahre einzustellen. Ich halte euch auf dem Laufenden, bis denne.

Ein Hailight der Werbung

Es gibt echt noch Werbung, die nicht auf den Zeiger geht, sondern einem ein breites Grinsen und lautes Lachen aus den Kiemen abgewinnt. Dafür erhebe ich meine Flosse - Shark-Five!

Dienstag, 4. Januar 2011

Kanye West - My beautiful dark twisted fantasy

(Übertreibungen im Folgenden sind gerechtfertigt.)
Größenwahnsinn und Maximalismus klingen so wunderbar.


Seit ich als Jugendlicher auf Kanye West aufmerksam geworden bin, gehört er zu den wenigen Black-Music-Künstlern, die ich mir seit Jahren immer wieder gern anhöre. Zuerst ist mir sein Name durch viele glanzvolle Hip-Hop-Songs aufgefallen, in denen sein Name durch den Songtext veredelt wurde - zum Beispiel in "Dreams" von The Game oder im noch schickeren Feature-Song "Wouldn't get far". Dann die genialen eigenen Songs "Through the wire", "All falls down", "Jesus walks", "Heard 'em say, "Diamonds are forever" und so weiter (und so sofort), die mich wissen ließen, dass dieser Mann the Shit ist. Jedes neue Album bietet Kracher, die man den ganzen Tag lang hören will. Und nicht, dass der ganze Rest minderwertig ist, nein, sie sind dann eben "nur" richtig gut. Das hat sich aus meiner Sicht auf den folgenden Alben mit Beständigkeit fortgesetzt (kleine Stolperer ausgenommen). Warum das so ist? Kanye ist nicht dieser typische Rapper in extra-extra-large, den die meisten bei Black Music vor ihrem geistigen Auge sehen. Er ist auch kein typischer Rap-Produzent, sondern größenwahnsinniger Künstler, der auch mal die VMA-Bühne stürmt und einen Eklat auslöst.

Kein Song gleicht dem anderen
auf seinem neuen Album - hier überrascht er durch Chor, Gitarre, Piano, dann plötzlich tiefe Wummer-Beats, Glamour, klarer Gesang. Und allgegenwärtig ist purer Prunk. Diese Mischung ist Kanyes unverkennbares Markenzeichen und Erkennungsmerkmal, dass ihn aus der Masse hervorhebt und dazu führt, dass man als Hörer immer auf eine andere Weise begeistert ist. Da fühlt sich nichts aufgewärmt oder wiederverwertet an, alles wirkt frisch zubereitet und vor allem hot. Nachdem ich nur 2 Songs von "My beautiful dark twisted fantasy" kannte, hatte ich so Bock auf diese Platte wie es selten zuvor bei einer CD der Fall war. Mittlerweile höre ich die neuen Lieder täglich, so dass eigentlich Langeweile aufkommen müsste, aber auf keinsten - es macht immer wieder Spaß zuzuhören, wie Kanye zwischen den Stilen umherhuscht, alle in bombastische, vielfältige, abwechslungsreiche und hochtrabende Akustik-Kleider gehüllt, dass man sich denkt, dieses Album gehört auf den Steg der New-York-Fashion-Show. Manchmal fühlt sich das überlastet und nach "tuh matsch" an, aber dieser Makel soll nicht weiter stören. Beim Hören kann man sich regelrecht vorstellen, wie Mr. West in einem 360°-Tonstudio sitzt und wie ein Wahnsinniger an den Reglern fummelt, bis die Puzzleteile ineinandergreifen.
Ich weiß, dass ich zu krassen Hyperbeln neige, aber man muss einfach in dieses Album reinhören, wenn man einen Funken Liebe für Kanyes Songs verspürt. Es klingt einfach frisch, neu und anders. Anspieltipps sind der orchestrale Egomarsch "Power", die Ballade "Blame Game" und mein persönlicher Oberkracher "All of the lights". An. . Ren.

Freitag, 31. Dezember 2010

Das war es, das wird es sein.

Mach dich zur Seite, du Null, hier kommt die Eins.

Man man man, ich habe vor einem Jahr schon das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt und jetzt die gleiche Chose von vorn. Für den Blog war es ein aufregendes Jahr: Nach seiner viel zu langen Winterpause erwacht er und findet sich zwischen dekorativ tapezierten Digi-Wänden wieder. Zum Look der alten Schule stehe ich auch jetzt noch, immerhin soll so ähnlich mal ein Zimmer meiner ersten eigenen Wohnung aussehen... hehe.
Die letzten Einträge seit dem Neuanfang haben die Richtung vorgegeben, die ich auch weiterhin verfolgen möchte: mein Blog soll sich um Komisches, Alltägliches, Filmisches, Musikalisches und Spielerisches drehen und das möglichst im richtigen Verhältnis. 2011 geht es weiterhin rund, schließlich stehen schon Ideen auf der Warteliste. Ich freue mich über jeden Leser, den ich anlocken und dem ich ein Grinsen ins Gesicht zaubern kann.

Außerhalb der Blog-Welt wird das kommende Jahr genauso ein Jahr, wie das jetzige und zukünftig vorige auch war. Es wird Skandale, Schicksale, Nachrichten, Katastrophen und Auseinandersetzungen geben, vielleicht auch ein paar erfreuliche Geschichten, damit man im nächsten Dezember nicht nur auf die schlechten Seiten von 2011 blickt. Nebenbei werden alle älter und erfahrener.

Also, guten Rutsch! Man liest sich 2011.

Montag, 27. Dezember 2010

Selbstbedienung versteht sich von selbst


"Besorg's dir doch einfach!" Was Real eine Zeit lang als frechen Marketing-Spruch verwendet hat, hat sich scheinbar so fest in die Köpfe einiger Leute eingebrannt, dass man nun von "Dreist ist geil" sprechen muss.



Wenn man als Kunde irgendwann wieder einmal feststellen muss, dass im Supermarkt alle Regalpositionen neu ausgewürfelt wurden, fragt man sich natürlich, ob das Feng Shui für Lebensmittel von essenzieller Notwendigkeit ist. Doch zum Glück weiß der Einzelhandel, wie er uns den unfreiwilligen Spießrutenlauf einigermaßen versüßen kann: mit kostenlosen, gratis Kostproben, die auch noch umsonst sind. Im Elektrofachhandel strapaziert man die herumstehenden Soundsysteme, hört vorab in neue CDs rein und spielt vielleicht auch nebenbei noch ein spaßiges Videospiel. Nicht nur gucken, sondern auch anfassen ist erlaubt, was natürlich dazu führt, dass man gern ein Weilchen länger verweilt und sich auch den ein oder anderen Euro aus der Tasche ziehen lässt. Probieren geht über studieren und verringert (teilweise) die Chance eines Fehlkaufs. Im Supermarkt darf man auch ordentlich ran. Obst und Gemüse kann man nach Herzenslust begrabbeln und ab und zu springt sogar eine Traube oder Erdbeere im hohen Bogen in den Mund. Mundraub ist das natürlich nicht, die Früchte wollen es ja so! Viel besser sind kleine Stände, an denen Leckerlies als Appetitanreger bereitliegen. Kleine Würstchen- und Käsehappen und auch einen Schluck der leckeren neuen Limonade XY lässt sich da abstauben.

Eine Ecke schärfer wird es, wenn man dieses Prinzip der Selbstbedienung falsch versteht. So wie ein älterer Mann, den ich vor einer Weile im Real beobachten durfte. Da steht dieser große Aufsteller von Bosch, der den neuen Elektrorasierer bewirbt und so einige Blick auf sich zieht. Ein Interessent nimmt das Ausstellungsstück natürlich auch mal in die Hand, soll ja bequem in den Griffeln liegen. Man kann auch ruhig ein paar surrende Brumm-Geräusche von sich geben, um sich exakt vorzustellen, wie man mit dem Rasierer vorm eigenen Spiegel steht und sich auf Vordermann bringt. Toll ist's dann, wenn der Rasierer sogar angeschlossen ist und selbst Geräusche macht. Was man jedoch nicht darf, ist, sich mit genau diesem Rasierer im Real, zwischen anderen Kunden und Regalen, wirklich zu rasieren! Als ob er im Real heimisch wäre, nimmt der Mann das Teil in die Hand, beäugt es kritisch und fängt an, sich seine grauen Stoppeln zu entfernen. Ohne Scheiß, bei so viel Dreistigkeit sind mir fast die Augen herausgefallen. Ich konnte nicht einmal weggucken und hatte sogar das Bedürfnis einzugreifen, aber ich war paralysiert. Was denkt der nächste Kunde, wenn er den Rasierer begutachtet? "Oh, ist schon gebraucht. Den hat Real wohl bei Ebay gekauft." Man geht doch auch nicht im Praktiker in die Keramikabteilung, um sein Geschäft zu verrichten, danach unter die Dusche nebenan und dann splitterfasernackt ins Real, um sich ein Handtuch umzuhängen, während man unterwegs noch eine Schachtel Zigaretten beim Kiosk raucht; nur, weil man sich bei dieser dudelnden Musik im Einkaufszentrum heimisch fühlt! Mit diesem Verhalten schießt man echt mehr Vögel als ein Jäger ab. Nachdem ich früh aus dem Haus gehe, sprüh ich mich vielleicht auch noch mit Deo bei Edeka ein. Es steht immerhin so rum und wartet darauf, benutzt zu werden... Na klar, die ganze Welt ist ein riesiger Selbstbedienungsladen. Ich meine - man kann es auch übertreiben.

Wenn ich Hunger auf einen Döner hab, geh ich am Dönermann vorbei und beiß einmal in den Fleischspieß hinein. Wenn ich Arznei brauche, schleiche ich mich in ein abgeschlossenes Zimmer der Apotheke. Und wenn ich operiert werden soll, greif ich am besten von der Trage zum Skalpelltisch und ramm mir die spitzen Werkzeuge selbst in den Körper. Ich kann verstehen, dass man bei Douglas einen Spritzer Parfüm auf dem Handgelenk abzwackt und sich einen Tag lang über den Duft freut, aber muss man wie der dreiste Greis einen Schritt über die Linie der Vernunft hinweg machen? Ich traue mich nicht einmal, eine Traube im Supermarkt zu naschen, wenn ich sie nicht vorher gewogen habe und kaufen möchte. Leute gibt's...

Samstag, 11. Dezember 2010

Vicious Viper - 250.000 Bisse in den Rachen

Es gab vor einigen Monaten schon einen Blog-Eintrag zum Thema "Mit extra scharf", der nach mehr Rachenfeuer verlangte. Jetzt stand ich kurz vor dem Schleimhaut-Exotus und kenne meine Grenze.


Wie bekannt ist, kann man viele "scharfe" Grillsaucen und Pizzen als geübter Schmerzresistenter in der Pfeife rauchen. Doch für alle, die sich mental abseits der normalen Wege bewegen, gibt es eine Herausforderung, die sich in Scoville messen lässt: die Vicious Viper. Bzzzzzzz!
Scoville ist die Einheit des Schärfegrades, sie drückt keinen Geschmack aus, sondern eher Schmerzempfinden. Schmerzperverse müssen ja auch nicht unbedingt immer auf Hiebe und Striemen auf dem Rücken stehen. Wenn die Rezeptoren der Zunge pogen, kann das genauso befriedigend sein.
Für die Reizung der Mundhöhle ist ein Stoff namens Capsaicins verantwortlich. Pur würde dies 15.000.000 bis 16.000.000 Scoville entsprechen, wobei die geisteskrankesten der Geisterkranken aller Geisteskranken der Welt wohl bei 2.000.000 (soweit man vorher nicht umkippt) die weiße Flagge hissen. Um einen Schärfegrad im Verhältnis zu sehen, sei gesagt, dass bei einer Million Scoville 1000 Liter Wasser benötigt werden, um den Schmerz zu neutralisieren. Krass, oder? Zu empfehlen sind sowieso Heilmittel wie Milch, Joghurt, Käse oder auch Brot - Wasser verteilt die Schärfe eher noch. Das wusste ich zum Glück, bevor ich mich selbst ins Fegefeuer stürzte.

Ganz wichtig beim Umgang mit solch explosivem Zeug ist Vorsicht. Zum einen sollte man sich nach dem Berühren einer Flasche schnell die Hände waschen, statt sich durch ein unvorsichtiges Reiben des Augenlides unerträglichen Qualen auszusetzen. Auch ein beherzter Check-Griff in die Hose ist nicht zu empfehlen, egal wie groß der Drang ist. Genauso wie beim Umgang mit Nitroglycerin gibt es also auch hier Schutzvorkehrungen.
Nach ersten gesammelten Erfahrungen durch reichlich Peperoni war ich in diesem Sommer in Leipzig bereit, bei "Curryfire" Mittag zu essen. Ich nahm 350.000 Scoville in meiner Sauce, was kein Zuckerschlecken war, aber dennoch so interessant, dass ich es aushalten konnte. Die "Mother of Pain" mit 1 Mio. hat zwei Freunden von mir die Tränen in die Augen und Schmerzschreie aus dem Mund gedrückt. Wohlbemerkt bei einer Pommesspiekerspitze voll. Diese Sauce kann zudem nur geordert werden, wenn man einen Schadensersatzverzicht unterzeichnet. Dann konnte ich vor kurzem an einem Hot-Dog-Stand den "Death Dog" probieren: "Was, nur 250.000 Scoville? Pussy-Kram!" dachte ich mir. Haha... haha, hmpf. Die werte Frau hat vergessen, dass diese Sauce tröpfchenweise dosiert unter die eigentliche Sauce gemischt werden soll, statt sie wie Ketchup aufzutragen! Das Verzehren selbst war einfach nur eine Qual. Zuerst kamen die Schmerzen, dann die Tränen, die laufende Nase und ein ständiges Hecheln und Stottern. Ein Kumpel hatte nach einem Probierbissen immerhin noch die Kraft, mich als "bekloppt" und "völlig gestört" zu titulieren. In der nächsten Phase des Nahtods kamen dann schon zittrige Hände, weiche Knie wie Wackelpudding und leichte Schwindel- und Schwächeanfälle hinzu - ohne Scherz, ich befand mich kurz vor Ohnmacht und Kreislaufzusammenbruch. Zum Glück hatte der Hot Dog auch noch doppelte Länge... Ohne den halben Liter Milch wäre es wohl vorbei gewesen. Geschafft hab ich ihn, das Monster aus orientalischem Feuer, schließlich doch. Nachdem sich die dritte Phase durch ein benommenes Wanken aus dem Laden und geistige Abwesenheit bemerkbar machte, wusste ich: Schärfe kann gern an der Schmerzgrenze sein, aber besser nicht over the top. Auf dem Etikett ist von "Schaden für Leib und Leben" die Rede. Oh ja.